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Unser Alltag ist vielfältig, Vielfalt ist unser Alltag.

11.12.2020, 13:14 Uhr

Veröffentlichter Artikel in der Staddteilzeitung Herzogenried "herzog"

Unser Alltag ist vielfältig, Vielfalt ist unser Alltag.

Welche wunderbare Chancen sich in den vielen Begegnungen verstecken, die wir täglich mit Anderen erleben.

Ich schreibe sehr gerne über das Thema Vielfalt. Denn unser Alltag lebt davon!

Gerade die Kita ist ein Ort, wenn nicht sogar der Ort, an dem die Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben zu einer größeren Gemeinschaft zusammenkommen, um Spaß zu haben, zu lernen, Freunde zu finden, kurz: um Vielfalt von Anfang an zu erleben.

Zuerst fällt mir die Vielfalt beim frisch gekochten Mittagessen ein. Unsere Kinder schmecken und entdecken unterschiedliche Lebensmittel. Entscheiden irgendwann für sich, was ihnen schmeckt oder welchen Duft sie gut leiden können und bilden so ihren ganz eigenen Geschmack.

Ist es so nicht auch mit den Menschen um uns herum?

Wir lernen Menschen kennen und merken mit der Zeit, wie vielfältig diese Begegnungen sein können und wie stark uns dies im Leben prägt.

Komme ich morgens in die Kita, treffe ich auf die Kollegen*innen und freue mich über ihre Unterschiedlichkeit. Talentierte Einzelne arbeiten miteinander, so ist es im Team. Jeder bringt seine individuelle Lebensgeschichte, seine Fähigkeiten und Begabungen mit und teilt sie mit den Kindern. In einer großen Gemeinschaft.

Gehe ich weiter durch das Haus, so sieht es auch bei unserem Küchenpersonal, den Handwerkern, den Kindern mit ihren Familien und jedem einzelnen Menschen, der unsere Kita betritt aus. Jeder trägt einen unsichtbaren Rucksack mit sich herum, der vollgepackt ist mit den Erlebnissen, Wünschen und Erwartungen - mit seiner eigenen Lebenswirklichkeit. Somit laufen die vielfältigen Lebenswelten bei uns ganz automatisch zusammen.

Die vielen verschiedenen Muttersprachen, die verschiedenen kulturellen Hintergründe und nicht zu vergessen die vielen verschiedenen Religionen, bilden eine ganz wunderbare kleine bunte Welt in sich.

Werden wir Erwachsene unserer Vorbildrolle bewusst, hinterfragen und reflektieren unser Verhalten immer wieder aufs Neue, können wir diese kleine bunte Welt erweitern. Bestmöglich, gemeinsam mit unseren Kindern durch unser Vorleben im gemeinsamen Miteinander.

Wahrlich, wir haben eine verantwortungsvolle und wichtige Rolle im Leben unserer Kinder! Doch das birgt auch eine große Chance! Nämlich vorzuleben, wie man gegen Diskriminierung und Ausgrenzung ankämpfen kann. Und die Kinder positiv für das Thema zu sensibilisieren.

Umgekehrt geht dies auch, ich denke oft, dass wir Erwachsene von den Kindern lernen können. Würden wir näher hinsehen und uns die Zeit für das Näher-Betrachten nehmen, könnten wir vieles Entdecken:

Kinder denken noch nicht in Schubladen. Sie bewerten ihre Spielpartner nicht schon im Vorhinein. Sie können sehr schnell und häufig verzeihen. Gehen immer wieder neugierig auf Unbekanntes zu. Lassen sich packen von den schönen Dingen im Leben.

Sie erkennen im Gegenüber einen Menschen. Nicht einen Deutschen, einen Türken, eine Alte, einen Blinden, einen Rollstuhlfahrer, einen Christen oder Buddhisten. Für Kinder ist dieser Rucksack kein belastendes Gepäck, er bereitet sie auf die vielen unterschiedlichen Begegnungen vor, die auf ihrem Lebensweg auf sie warten.
Und können wir Erwachsene uns etwas von dieser Sichtweise abgucken?

Vielleicht die kleine Erinnerung, uns vom Unbekannten begeistern zu lassen. Das hatte schon Jesus bemerkt.

In meiner Pfadfinderzeit hatten wir einen Gruppenraum, an dessen Wand war folgender Spruch geschrieben: Vielfalt statt Einfalt. Für mich ist ein Leben ohne Vielfalt genau das: einfältig, eintönig, eindimensional. Es braucht das Gegenüber, Offenheit und Bereitschaft, sich von der Vielfalt überraschen zu lassen. Eine gewisse Zuversicht für das Neue, dies kann in einer komplexen und vielfältigen Welt doch nur hilfreich sein.

Solche Chancen zu erkennen und wertzuschätzen, ist Teil unseres Bildungsauftrags. Sind wir uns über unsere Vorbildfunktion bewusst, können wir nicht nur im Kleinen etwas bewirken. Dann kann unser Verhalten Kreise ziehen und sich weiter verbreiten.

Auf dass wir die Welt ein klein wenig besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben!

Johanna Keller, Leiterin der Evangelischen Tageseinrichtung für Kinder Am Brunnengarten

 

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